Frühe Kindheit (0–6 Jahre)
Wie würden Ihre Bezugspersonen Sie als Baby oder Kleinkind beschreiben?
Biografische Anamnese mit Fokus auf Autismus, ADHS und neurodivergentes Erleben
Neurodivergenz lässt sich am besten als ein Spektrum neurokognitiver Unterschiede verstehen. Die Übergänge zwischen Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), ADHS und Mischformen (AuDHD) sind in der Praxis häufig fließend. Viele Betroffene erkennen sich sowohl in autistischen als auch in ADHS-typischen Erfahrungen wieder — selbst wenn nicht alle diagnostischen Kriterien vollständig erfüllt sind.
Das gemeinsame Auftreten von ASS und ADHS ist deutlich häufiger als ein isoliertes Auftreten nur einer der beiden Störungsbilder. Gleichzeitig zeigen viele Menschen zumindest einzelne Merkmale oder Bewältigungsstrategien des jeweils anderen neurodivergenten Profils, ohne dass zwangsläufig das klinische Vollbild vorliegt.
Daher bitten wir Sie, möglichst den gesamten Fragebogen zu bearbeiten — auch dann, wenn Sie sich ursprünglich nur zur Abklärung von ADHS oder nur zur Abklärung einer Autismus-Spektrum-Störung vorgestellt haben.
Viele neurodivergente Menschen erleben ihre Schwierigkeiten außerdem stark situations-, stress-, energie- oder lebensphasenabhängig. Manche Fragen können deshalb widersprüchlich erscheinen oder je nach Lebensabschnitt unterschiedlich beantwortet werden. Dies ist ausdrücklich möglich und diagnostisch oft hilfreich.
Falls Fragen:
• schwer verständlich,
• unklar,
• nicht passend,
• oder nicht beantwortbar erscheinen,
können diese ausgelassen oder besser noch entsprechend markiert bzw. kommentiert werden.
Dieser Fragebogen dient dazu, persönliche Erfahrungen, Denkweisen, Entwicklungsbesonderheiten und alltägliche Herausforderungen besser zu verstehen.
Es geht ausdrücklich nicht darum, „richtig“ oder „falsch“ zu antworten. Viele neurodivergente Menschen haben gelernt, Schwierigkeiten zu kompensieren oder zu maskieren. Deshalb sind insbesondere konkrete Beispiele aus dem Alltag hilfreich. Es gibt hierbei kein „richtiges“ Format.
Widersprüchliche oder situationsabhängige Antworten sind ausdrücklich möglich und oft diagnostisch hilfreich.
Neurodivergentes Erleben kann sich je nach:
• Stress,
• Umgebung,
• Erschöpfung,
• Reizbelastung,
• sozialer Sicherheit,
• hormonellen Veränderungen,
• Lebensphase
stark verändern.
Wenn Begriffe unklar erscheinen, beantworten Sie die Fragen bitte so, wie Sie sie verstehen, oder ergänzen Sie eigene Beispiele. Es gibt in diesem Fragebogen ausdrücklich nicht „zu viele Informationen“. Auch Dinge, die nebensächlich, ungewöhnlich oder schwer erklärbar erscheinen, können diagnostisch relevant sein.
Wie würden Ihre Bezugspersonen Sie als Baby oder Kleinkind beschreiben?
Gab es Besonderheiten in der Sprachentwicklung, Kommunikation oder im Ausdruck?
Gab es Auffälligkeiten in der Motorik oder Körperkoordination?
Gab es häufige Verletzungen oder Unfälle?
Wie war Ihr Kontakt zu anderen Kindern?
Was fiel Ihnen leicht oder schwer beim Spielen oder Zusammensein mit anderen?
Welche Interessen oder Faszinationen hatten Sie?
Wie empfanden Sie Schule oder Unterricht? Gab es größere Schwankungen, in Abhängigkeit von Fach, Thema oder Lehrkraft?
Gab es im Jugendalter deutliche Veränderungen in:
Gab es Phasen, in denen Sie sich deutlich „anders“ oder stärker belastet erlebt haben?
Welche Situationen im Alltag erleben Sie aktuell als besonders leicht oder besonders belastend?
Beobachten oder analysieren Sie bewusst das Verhalten anderer Menschen, um soziale Situationen besser zu verstehen?
Achten Sie gezielt auf:
um einzuschätzen, wie Sie reagieren sollten?
Haben Sie das Gefühl, soziale Regeln eher bewusst gelernt als intuitiv verstanden zu haben?
Vergleichen Sie Ihr Verhalten innerlich häufig mit dem anderer Menschen?
Bereiten Sie Gespräche oder mögliche Antworten gedanklich vor oder analysieren soziale Situationen nachträglich?
Gibt oder gab es Beziehungen oder soziale Situationen, in denen sich Kontakt besonders leicht, angenehm oder intuitiv anfühlt?
Wodurch unterscheiden sich diese Beziehungen von anderen?
Gibt es Menschen, bei denen Sie weniger maskieren, analysieren oder „funktionieren“ müssen?
Mit welchen Menschen fühlen Sie sich sicher, verstanden, wenig erschöpft, spontan, authentisch?
Wie wichtig ist Vorhersagbarkeit für Ihr Wohlbefinden?
Vor neuen Situationen oder Terminen:
Wie belastend erleben Sie:
Gibt es Dinge, die „genau richtig“ sein müssen? Wo Abweichungen ein deutlich spürbares Unwohlsein auslösen oder vielleicht auch gar nicht tolerierbar sind, so dass sie korrigiert werden müssen?
Wie erleben Sie:
Benötigen Sie häufig:
um Aufgaben zu beginnen oder zu beenden?
Fällt es Ihnen schwer, körperlich oder innerlich wirklich zur Ruhe zu kommen?
Haben Sie das Gefühl, regelmäßig Bewegung oder Aktivität zu benötigen, um sich ausgeglichen zu fühlen?
Gab oder gibt es Phasen, in denen intensive Bewegung, Sport oder Aktivität notwendig waren, um:
Werden Unruhe oder Gereiztheit stärker, wenn Bewegung oder Aktivität fehlen?
Nutzen Sie häufig mehrere Reize gleichzeitig?
zum Beispiel Handy + Serie + Musik
Gab oder gibt es intensive Interessen oder Faszinationen?
Verändern sich Interessen eher:
Wiederholen Sie bestimmte:
Falls ja:
was daran wirkt angenehm oder beruhigend?
geht es eher um Vorhersagbarkeit, Entspannung, Reizkontrolle oder emotionales Wohlbefinden?
was wären typische Situationen, in denen oder nach denen so eine Wiederholung besonders wichtig ist?
Können Interessen oder Gedanken zeitweise so dominant werden, dass anderes ausgeblendet wird?
Ich bin empfindlich gegenüber:
Zur Regulation von Stress oder Anspannung nutze ich:
Gab oder gibt es Konsum von:
Falls ja:
welche Wirkung war angenehm oder hilfreich?
ging es eher um:
Wie erleben Sie:
Wie hoch schätzen Sie Ihre durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit aktuell?
Gab oder gibt es:
Wie erleben Sie Essen im Zusammenhang mit:
Gab oder gibt es unabhängig von Diagnosen:
Gab oder gibt es körperliche Beschwerden besonders:
Gab oder gibt es Besonderheiten bei
Gab oder gibt es:
Wie erleben Sie:
Gab oder gibt es:
Wurden bei Ihnen bereits Diagnosen gestellt?
Gab oder gibt es körperliche Diagnosen oder Beschwerden?
Gab es Diagnosen oder Behandlungen, die sich rückblickend nicht passend angefühlt haben?
Gab oder gibt es in Ihrer Familie Hinweise auf:
Gibt oder gab es Bereiche/Themen, in denen Sie:
Welche Eigenschaften an sich selbst empfinden Sie heute eher als:
Wie erleben Sie Ihre innere Vorstellung oder Ihr Denken?
Zum Beispiel:
Wenn Sie an Personen, Orte oder Situationen denken:
Gab oder gibt es:
Gab oder gibt es besondere Arten der Wahrnehmung oder Verknüpfung von Sinneseindrücken?
Zum Beispiel:
Gab oder gibt es Schwierigkeiten oder Besonderheiten bei:
Wie erleben Sie Übergänge:
Erleben Sie starke Schwankungen zwischen hoher Leistungsfähigkeit und völliger Blockade?
Gibt es Aufgaben, die „eigentlich leicht“ wirken, sich aber kaum beginnen oder abschließen lassen?
Sind Fähigkeiten je nach Interesse, Energie, Stress, Druck oder sozialem Kontext sehr unterschiedlich verfügbar?
Gab oder gibt es starken inneren Widerstand gegen Anforderungen, auch bei Dingen, die Sie eigentlich tun möchten, das Gefühl, unter Erwartungen „dicht zu machen“, Vermeidung bei Druck oder Kontrolle oder deutlich bessere Handlungsfähigkeit bei Selbstbestimmung?
Gab oder gibt es unter Stress oder Überforderung:
Gab oder gibt es Phasen von:
Was ging diesen Phasen voraus?
Wie gut nehmen Sie körperliche Bedürfnisse wahr?
Bitte einschätzen:
Kommt es vor, dass Sie körperliche Bedürfnisse erst bemerken, wenn sie sehr stark sind?
Gab oder gibt es:
Gab oder gibt es:
Haben Sie das Gefühl, lange versucht zu haben, „richtig“ zu sein?
Fällt es schwer zu unterscheiden, was wirklich zu Ihnen gehört und was Anpassung, Masking oder Rolle ist?
Gab es Phasen starker Neuerfindung oder Anpassung an neue Umfelder?
Gab oder gibt es in Beziehungen häufiger:
Zum Abschluss möchten wir Ihnen Raum geben für alles, was bisher nicht oder nicht ausreichend erfasst wurde.
Viele neurodivergente Menschen erleben ihre Schwierigkeiten, Besonderheiten oder Stärken als sehr individuell. Standardfragen können deshalb wichtige Aspekte übersehen.
Bitte schreiben Sie hier alles auf, was Ihnen zusätzlich wichtig erscheint — unabhängig davon, ob es Ihnen ungewöhnlich, nebensächlich, schwer erklärbar, widersprüchlich oder „zu viel“ vorkommt.
Es gibt ausdrücklich nicht „zu viele Informationen“.